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Eine Lanze für die LIRICA

Eine Lanze für die LIRICA

Also, neugierig waren wir schon, auf die LIRICA. Und gespannt auf MSC. Das Schiff, nagelneu, neueste Technik, perfekte Security, frisch poliert, majestätisch lag sie an der Ponte dei Mille in Genua und wartete – nicht nur auf uns. Wir kamen uns so beobachtet vor beim Check-In. Wir, die wir es auch gewagt haben öffentlich Koch und Küche der MELODY und ihrer Eigner ins Gebet zu nehmen. Und damit der Reederei mal kräftig in die Suppe zu spucken. Uns, die Nörgler, wie werden sie uns nehmen, wenn wir kommen? Werden sie uns nehmen? Na klar, sie haben ja auch unser Geld genommen, und sie haben uns eine der zwei besten Suiten gegeben. 12004! Mit Balkon natürlich und Blick über den Bug hinaus, weit über den Horizont des Mittelmeeres. Sie haben uns empfangen wie alle anderen zweitausend Passagiere auch: höflich, freundlich, lächelnd, sie machen Ihren Job und viel mehr als nur den. Jene Italiener, Malaien und Balinesen, jene Engel und Elfen jeder Kreuzfahrt, die schon im Mutterleib das Lächeln üben.
Sie sollte zum Zentrum unseres Seins auf der LIRICA werden. Jene Suite 12004 mit dem kleinen Balkon, der uns die Freiheit des Meeres und die Unendlichkeit des Universums erleben ließ, wie kein anderes Schiff zuvor. Sonnenaufgänge, Sonnenbäder, Sonnenuntergänge, Sternenhimmel, Hafeneinfahrten und –ausfahrten, all´ dies ohne jemals um einen guten vorderen Platz gekämpft haben zu müssen. Wir fühlten uns wie Könige, wenn andere Passagiere uns etwas neidvoll beim Genuss einer guten Flasche Roten beobachteten. Auf der Route von Genua nach Napoli, Catania, Alexandria, Limassol, Antalya, Rhodos, Valletta, Sorrento zurück nach Genua.
Nun, was wird uns wohl dort erwarten, wo der Grund unserer Kritik an MSC seinen Boden gefunden hatte, im Restaurant La Boussola. Einen Tisch nur für Zwei hatten wir vermerken lassen, weil wir damals auf der MELODY mit den Sitten und Manieren unserer vier TischgenossInnen so gar nicht einverstanden waren. Wir haben uns geschämt Ihrer Unhöflichkeit und Überheblichkeit wegen dem Personal gegenüber, das wohl die geringste Schuld an den eher schlechten Resultaten der Küche, die so unter den Tellerglocken zum Vorschein kamen, traf.
Das mit dem Tisch nur für zwei ging dann doch nicht auf. Einer für vier war aber erst recht akzeptiert, als sich das Team um Salvatore T. , unser Tischsteward, vorgestellt hatte. Ein liebenswerter Typ aus Napoli, assistiert von Agie und Reni. Als ob er es geahnt hätte, was uns das kulinarische Leben auf der MELODY so schwer gemacht hatte. Alle drei waren sie aufmerksam, unaufdringlich, beratend, verantwortlich, flink, höflich, humorig, amical – ehrlich „Gast-freundlich“! Salvatore´s Erfahrung und seine Empfehlungen (perfekt mehrsprachig) zur Menüauswahl ließen es uns kein einziges Mal zu, ein Gericht beanstanden zu müssen. Was natürlich auch für – aus unserer Sicht und nach unserem Geschmack – gravierende Veränderungen „in Küche und Keller“ bei MSC spricht. Positiv! Die Vollendung der Speisen mit der letzten Würze und Feinheit wird den Gästen selbst überlassen. Gut so! Ohne „Aufpreis“ stehen Gewürze, Öle, Marinaden und Kräuter jederzeit und gerne zur Verfügung. Jedem das Seine, für jeden das Richtige.
Weltmeisterlich alle Pasta-Kreationen, perfekt die Variationen vielfältiger Meeresfrüchte, schon viel besser als früher einmal Steaks und Pollo, Früchte und Dolce immer eine Sünde wert. Als Draufgabe ein Espresso und ein Scherz von Salvatore.
Das war es wohl, was diese Kreuzfahrt so unvergesslich machen wird. Die 12004 mit ihrem Balkon, umsorgt von Sudyanto und seinen beiden Freunden aus Bali und dieses liebenswerte Team rund um unseren Tisch, das uns heute schon ein wenig Sehnsucht abverlangt. Aber auch jene beiden netten Damen aus der Umgebung von Hannover (Dingerdonn), die mit uns die Freuden dieses Tisches teilen durften. Wir haben uns mit etwas Wehmut von einander verabschieden müssen.
Alles andere ist bekannt: neues Schiff, tolle Lounchen, Bars, Casino, elegante Show´s und Varietees, Action rund um die Uhr, Landgänge mal besser, mal schlechter organisiert, Ausflüge mal sehr gut, dann wieder etwas schlechter gewählt und geführt. Brückenführung obligat, Nepp im Fotoatelier, leeres Internetcafe, weil verdammt teuer. Hingegen äußerst moderate Preise an den Bars und 25 Stunden am Tag zu Essen und zu Trinken. Rundum alles blitzeplank und noch immer einige Gestrige, die Kinder an Bord schrecklich finden.
Und wenn wir uns dann anlässlich der Cocktailparties so ganz in Gala mit dem Prosecco gegenseitig „Salute! Prost! und CinCin!” zuwarfen, bemerkten wir doch, dass Kapitän Silvio Cappuccio (er war noch im Jahr 2000 Kapitän der MELODY) als Gastgeber seine überwiegend Deutsch sprechenden Passagiere doch bald aus dem Stegreif willkommen heißen und verabschieden können sollte.
Salute und Grazie Salvatore T., Du warst der Chef an Bord!
Resümee:
Das Team der LIRICA und die Smaragde aus München vor den Vorhang.
Herzlichen Dank!

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