Flusskreuzfahrt mit der Viking RhôneFlusskreuzfahrt mit der Viking Rhône von Chalon-sur-Saône nach AvignonVom 05.07. – bis 12.07.2003 Der einzige Unterschied zwischen einer Hochsee- und einer Flusskreuzfahrt ist wohl das Medium auf dem man sich bewegt – so dachten wir zumindest als wir nach dem Transfer vom Flughafen Lyon in Chalon-sur-Saône auf der Viking Rhône eincheckten. Doch schon allein die Tatsache, dass uns nach dem Bezug unserer freundlichen und geräumigen Kabine bewusst wurde, dass wir erst am nächsten Tag um die Mittagszeit Kurs auf Mâcon nehmen sollten, war für eine ‚normale’ Kreuzfahrt so ganz und gar untypisch. Zeit – das ist es was man auf einer Flusskreuzfahrt wirklich hat. So schlenderten wir nach dem vorzüglichen Abendessen (besonderes Lob gilt hier dem Küchenchef der Viking Rhône, dessen Kreationen es durchaus mit denen von höher bepreisten Schiffen aufnehmen können) durch das romantische Chalôn und besuchten am darauf folgenden Tag den sonntäglichen Markt, der mit seiner Vielfalt an heimischen Produkten in einer für Deutschland absolut unbekannten Qualität und Frische selbst eingefleischten Frankophilen das Wasser im Munde zusammenlaufen ließ. Dieses Treiben bei einem Café au Lait und (oder) einem Pastis zu beobachten, ist das nicht die Gelassenheit die wir uns so oft wünschen und so selten erreichen? Wer wollte, konnte sich die Zeit auch auf einem Busausflug ins Burgund vertreiben und hautnah erleben, wo die Reben für die weltweit gesuchten Tröpfchen gedeihen. Probieren konnte man diese in Beaune im Hôtel Dieu. Durch die sanft geschwungenen Hügel des Beaujolais ließen wir uns dann weiter Richtung Lyon treiben, vorbei an Horden von Enten, Schwänen und Fischreihern – Seele baumeln lassen, längst verschollenen Gedanken nachhängen. Bei dieser Landschaft, der Ruhe und einem Gläschen Mâcon Village war dies wahrlich keine Kunst. Kunst war dann allerdings eines unserer Themen in Lyon, Weltkulturerbe der UNESCO. Daß Kunst bekanntlich von Können kommt beweisen die bekannten Söhne der Stadt wie Paul Bocuse und Antoine de Saint Exupéry aber auch zahllose Baumeister, welche mit der Presqu’ile ein architektonisches Kleinod erschufen, das wir in einer Nachtwanderung nochmals erkundeten. Am nächsten Morgen legten wir dann in Vienne an dessen Lebensfreude und südliches Ambiente sich besonders in den vielen kleinen Bars und Restaurants in schattigen Alleen widerspiegelt. An die Bedeutung von Vienne in der Römerzeit erinnern noch die Ruinen des Tempels des Augustus und das antike Theater, welches einst 14.000 Zuschauern fasste und heute wieder für Aufführungen genutzt wird. Wer wollte, konnte am nächsten Tag in Tournon mit einer Dampfeisenbahn durch das wild-romantische Doux-Tal fahren, oder die Stadt auf eigene Faust erkunden. Über Viviers ging unsere Route dann nach Avignon, zu Unrecht nur wegen seiner Brücke bekanntes geistiges und wirtschaftliches Zentrum des Mittelalters. Historische Bedeutung gewann die Stadt im 14. Jahrhundert als Sitz der Päpste, die zahlreiche Paläste bauen ließen. Die anstrengende Besichtigungstour (mittlerweile hatten wir 40 Grad im Schatten) klang nach einem Rundgang durch eine Weinkellerei bei einem Gläschen Châteauneuf-du-Pâpe eher gemütlich aus. Wer sich den Pont-du-Gard nicht entgehen lassen wollte, hatte am Abend noch die Gelegenheit zu einer Besichtigung. Einer der Höhepunkte unserer Fahrt stand am nächsten Tag mit einem Ausflug nach Les Baux an. Die kleine Ruinenstadt liegt weit im Südwesten der Provence auf dem Kamm der Alpilles wo die restaurierten Häuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert mit dem Felsen zu verschmelzen scheinen. Über die Stadt erhebt sich die Burg und gibt einen atemberaubenden Blick über die Olivenhaine des Vorlandes frei. Allerlei (teils hochwertiges) Kunstgewerbe und der ganz spezielle Flair dieser Stadt ließen uns den Abschied auf unserer Weiterfahrt nach Arles schwer fallen. Von der einstigen Bedeutung Arles zeugen etliche kunstvolle Bauwerke der Antike, besonders das imposante Amphitheater. Doch was wäre die Stadt ohne die Impressionisten – allen voran Vincent van Gogh - dessen Motive noch heute teilweise in natura besichtigt werden können. In Arles teilt sich die Rhône in die ‚Grand Rhône’ und die ‚Petit Rhône. Diese beiden Flussarme schließen die von Tümpeln und Seen durchzogene Landschaft der Camargue ein. Noch bevor die Viking Rhône wieder Kurs auf Avignon nahm, besichtigten wird dieses grandiose Naturreservat und besuchten das obligatorische Les-Saintes-Maries-de-la-Mer mit seiner weit über die Grenzen Frankreichs hinaus bekannten schwarzen Madonna. Besonders imposant war das nächtliche Einlaufen unseres Schiffes in Avignon, bevor es dem Ende unserer Reise entgegenging. Wir wurden eines Besseren belehrt. Eine Flusskreuzfahrt unterscheidet sich nicht nur dadurch von einer Hochseekreuzfahrt als dass das Land näher ist. Es ist eine gelungene Symbiose zwischen den Annehmlichkeiten eines schwimmenden Hotels, Kultur des bereisten Landes und freier Gestaltungsmöglichkeit während den langen ‚Land’-Aufenthalten. Nicht zuletzt fasziniert der eigentliche Sinn einer Reise, bei welcher der Weg das Ziel ist. Monika und Richard Kunzmann, Kaufbeuren
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