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Expedtionsreise an Bord der World Discovery

Im Kielwasser der Bounty – Expeditionsreise an Bord der World Discoverer
von der Osterinsel nach Tahiti vom 03. – 20.04.2003
Neugierig schauten wir über den Pool der ersten Unterkunft auf der Osterinsel (es gibt tatsächlich nur eine !) in Richtung Pazifik um einen Blick auf unser Heim für die nächsten 17 Tage zu erheischen. Die World Discoverer entspricht auf den ersten Blick so ganz und gar nicht dem Bild eines Expeditionsschiffes – mit neuem Anstrich nach der kräfteraubenden Tour durch das Südpolarmeer liegt sie wie ein Kleinod vor Hanga Roa im tiefblauen Meer vor Anker. Doch schon die Überfahrt in den Zodiacs macht uns bewusst, dass es sich hier nicht um eine Kreuzfahrt in herkömmlichem Sinne handelt – wer kommt schon in mittlerweile nassen Shorts nach einem Ritt über 3 Meter hohe Wellen zum check-in ? Unsere Kabine erwartete uns mit einem 5 Sterne Ambiente, das es mühelos mit jedem bekannten Schiff dieser Klasse aufnehmen kann. Holzvertäfelte Wände, ein verspiegeltes Marmorbad und als Clou ein Flachbildmonitor, auf dem neben den Bord- und Fernsehprogrammen auch alle Vorträge und Veranstaltungen live übertragen werden. Wir haben eher das Gefühl auf einer großen Privatjacht zu sein als auf einem Kreuzfahrtschiff.
Schon das erste Zusammentreffen mit unseren Mitreisenden im Speisesaal verdeutlicht die Philosophie dieses Schiffes. Dort gibt es keine feste Sitzordnung, keinen formellen Dress-Code. Die ausgesprochen exquisit zubereiteten Speisen und die mit Umsicht ausgewählten Tischweine können durchaus in Shorts und T-Shirt eingenommen werden, wenngleich eine lange Hose zum Abendessen eher angebracht ist.
Während wir Kurs auf Ducie nehmen, vertreiben wir uns die ersten 2 Tage auf See mit Faulenzen und Verwöhnen lassen. Mit Vorträgen unserer äußerst kompetenten und erfahre-nen Lektoren werden wir jeden Tag auf das Kommende vorbereitet und lassen das Erlebte revue passieren. Die Lektoren-Crew ergänzt sich trotz ihrer augenscheinlich sehr individuellen Charaktere hervorragend. Mit Wohnsitzen von München über Los Angeles bis zu der Osterinsel und Fachgebieten von Anthropologie bis zur Ornithologie bleiben bezüglich hintergründiger Bildung keine Wünsche offen. Besonders sympathisch ist, dass der Stoff stets mit einem Quentchen Ironie gewürzt ist und deshalb nie lehrmeisterhaft wirkt. Primus inter Pares ist hier sicherlich Prof. Bairlein, hauptberuflich Leiter der Vogelwarte Helgoland, der uns im Alltag nie hinterfragte Gegebenheiten (wie bewältigt z.B. ein 12 Gramm schwerer Piepmatz einen 15000 Kilometer langen Vogelzug) äußerst spannend und kompetent näher brachte.
Nach der Anlandung auf Ducie (und auch am nächsten Tag auf Henderson) wissen wir endlich, was die Crew unter einer ´wet landing´ versteht. Bewundernswert ist jedoch die Sicherheit, wie die erfahrene Expeditions-Crew selbst ältere Mitreisende ohne Probleme ashore bringt. Auf jedem Eiland werden, je nach Interessensgebiet, verschiedene Wanderungen und Exkursionen unter fachkundlicher Leitung angeboten. Von diesen unbewohnten Inseln mitten im Südpazifik kehrt man eher als Entdecker denn als Kreuzfahrer in das 5 Sterne Ambiente der World Discoverer zurück, um anschliessend mit einem Schnorchelgang von einem der verankerten Zodiacs aus die Unterwasserwelt zu erkunden. Begegnungen mit einem Riffhai sind dabei durchaus möglich, aber absolut ungefährlich.
Die Pitcairn Insel, jedem Hollywood-Fan bekanntem Fluchtpunkt der Bounty-Meuterer, war unser nächstes Ziel. Hier leben sie wirklich noch, die direkten Nachkommen von Christian Fletcher und John Adams, deren Wohnhöhle nach kräfteraubender Klettertour besichtigt werden konnte. Nach obligatorischem Briefmarkenkauf wurden alle Bewohner des Eilandes an Bord willkommen geheißen, verköstigt und mit dem Nötigsten versorgt. Die Abgeschiedenheit von Pitcairn wird durch die Tatsache verdeutlicht, dass unter Umständen nur 3 – 4 Schif-fe im Jahr hier anlaufen und die einzige Verbindung der 40 Pitcairner zur Aussenwelt darstellen. Zu tiefst beeindruckt und mit eigenartigen Gefühlen behaftet nahmen wir Kurs auf die Gambiers.
Nach einer overnight-anchorage und wunderbarem on-deck Barbecue begrüßte uns eine Tanzgruppe in Rikitea auf Mangareva. Der Prachtbau der Kathedrale aus Korallengestein gehört wohl zu den beeindruckendsten der ganzen Südsee – zumindest nach den Worten von Père Maurice zu urteilen, wobei die meisten Mitreisenden – vor allem die weiblichen, die angebotenen schwarzen Perlen noch mehr in Ihren Bann zogen.
Unsere nächstes Ziele waren die Atolle Puka Rua und am nächsten Tag Puka Puka auf den Tuamotus, welche die größte Gruppe von Korallenatollen in der Welt bilden. Bei beiden Anlandungen zeigte sich der Wettergott gnädig, obwohl einige Passagiere noch einmal kräftig durchnässt wurden – die Mitnahme eines wasserdichten Schutzbehältnisses empfiehlt sich dringend. Nach traditioneller Begrüßung konnten wir verschiedenen Tanzvorführungen und kulinarischen Verkostungen (wie schmeckt eine Mördermuschel?) beiwohnen, alle von den Bewohnern liebevoll vorbereitet und ausgeführt (Wer solche Vorführungen schon einmal auf Tahiti gesehen hat, weiß was ich meine). Danach hatten wir das Glück, bei einem Schnorchelausflug eine Gruppe von zehn Delfinen beobachten und sie hautnah im Wasser erleben zu können. Die wissenschaftliche Aufarbeitung erfolgte prompt im täglichen Recap durch Stefan. Nachdem uns Uli über die Theorie der Riffbildung in Kenntnis gesetzt hatte, liefen wir am 13. April Fatu Hiva als erste Insel der Marquesas an. Hanavare in der Jungfrauenbucht bietet mit seinen tikiförmigen Klippen eines der spektulärsten Landschaftsbilder Polynesiens. Die Dschungelwanderer und auch die Birders mit Franz und Cam wurden nach anstrengender Exkursion in brütender Hitze mit einem Mango-Daiquiri an Deck für Ihre Mühen belohnt.
Die richtige Abkühlung kam aber dann am nächsten Tag auf Hiva Oa. Die Anlandung war nicht ganz einfach, wurde jedoch von der Zodiac-Crew bravourös gemeistert. In Allradfahrzeugen fuhren wir bis zu dem Me´ae Iipona, einer alten Kultstätte, wo Einheimische uns mit einem Früchtebuffet und sehr archaischen Tänzen begrüßten, die sehr an die der Maoris Neuseelands erinnerten. Deren Trommeln müssen wohl den Wettergott geweckt haben, und um nicht nass zu werden, hätte es wohl eines Tauchanzuges bedurft. Nach dem Trocknen lande-ten wir nachmittags nochmals auf Hiva Oa in der Traitors Bay an, um die Gräber von Jacques Brel und Paul Gaugin zu besichtigen.
Der tiefe Meeresarm Canal du Bordelais (man merkt, dass man sich in französisch Polynesien befindet) trennt unser nächstes Ziel, die Insel Ua Pou von der Südgruppe um Hiva Oa. Während des Frühstücks an Bord konnte die atemberaubende Bergwelt im Hintergrund bestaunt werden. Eine Mädchengruppe zeigte anschließend typisch marquesanische Tänze und stellte sich wiederholt als Fotomodell zur Verfügung, während sich andere Teilnehmer eher von den feilgebotenen Leckerbissen wir mariniertem Fisch und Oktopus verführen ließen. Vogelkundler kamen auf den angebotenen Wanderungen ebenso auf Ihre Kosten wie die Taucher, die fantastische Begegnungen mit Mantarochen hatten. Während des Nachmittags umrundeten wir den Vogelfelsen Motu Oa. Wir beobachteten ca. 10.000 Rußseeschwalben, Blau-noddis und Weißbauchtölpel – ein unvergessliches Erlebnis.
Den nächsten Tag auf See ließen wir mit Müßiggang, Vorträgen über Delfine und die Ökologie der Vögel verstreichen, um am Abend in farbenfrohem Ambiente ein polynesisches Dinner zu genießen.
Der nächste Tag auf Takapoto (Tuamotus) war wieder ein echter Expeditionstag, denn noch nie war ein so großes Schiff wie die World Discoverer hier auf Reede gegangen. Die vorher eingeholten Informationen über die Insel versprachen einen angenehmen Aufenthalt mit Wanderungen, Schwimmen und Barbecue am Strand. Da es am Nachmittag mittlerweile sehr heiß geworden war, war bei der Demonstration, wie schwarze Perlen gezüchtet werden, nur noch ein Grüppchen von 25 Personen anwesend. Der Gelegenheit, einige dieser Preziosen zu erstehen, konnten dann nur noch sehr wenige widerstehen – aber welch ein grandioses Erinnerungsstück an die Südsee.
Am 18. April erreichten wir Mataiva auf den Tuamotus, wo uns an Land die ersten musikalischen Klänge unter einem schattenspendendem Baum begrüßten. Schulkinder hatten mehrere Tänze für uns vorbereitet und eroberten so manches Herz durch ihren Enthusiasmus. Als kleine Gegengabe wurde nicht nur neues Schulmaterial überreicht, sondern auch eine große Gruppe der Kinder an Bord gebracht, um das Schiff (und unsere Eiscreme) kennen zu lernen.
Nach den Darbietungen entdeckten die ´Birders´ den so seltenen und für die Tuamotus endemischen Südseestrandläufer – für sie sicher der ornithologische Höhepunkt dieser Reise.
Gegen Mittag hatte auch der letzte Passagier die Landgangsmarke auf ´Grün´ gedreht, und wir nahmen Kurs auf Bora Bora.
Beim Einlaufen drängten sich alle an Deck um das europäische Traumbild von der Südsee auf Video oder Zelluloid zu bannen. Mit Ihren Vulkanspitzen ist die Insel sicherlich eine Schönheit, rangierte aber nach all den von uns bis jetzt besuchten Kleinoden sicherlich nicht an erster Stelle. Hier wurden verschiedene Aktivitäten von Landausflügen, über die Fahrt mit einem Unterwasserboot bis hin zu einem Heliflug angeboten. Auch der Spaziergang durch den Hauptort Vaitape ließ es uns zur Gewissheit werden: Die Zivilisation hatte uns (leider) wieder.
Noch während des exzellent zubereiteten Abschiedsdinners nahmen wir Kurs auf Tahiti, dem Endpunkt einer unvergesslichen Reise.
Die Kosten für das Reisen an Bord der World Discoverer gehört sicherlich nicht unter die Rubrik ´günstig´. Betrachtet man jedoch die gebotenen Leistungen (Vorzügliches Essen inklusive hervorragender Tischweine, alle Ausflüge sind im Preis enthalten), das gehobene Ambiente und vor allem die besuchten Destinationen, so kann die Reise durchaus als preiswert im besten Sinne bezeichnet werden – sie war ihren Preis wert.

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